Der Digitale Produktpass (DPP) kommt: Einblicke und Learnings aus dem Climate Lab
Der Digitale Produktpass (DPP) rückt näher: Im Rahmen des Climate Lab Wien trafen sich Expert:innen aus den Forschungsprojekten PACE-DPP und PASSAT, um technische und strategische Fragen zu klären. Welche Identifikatoren funktionieren? Welche Daten sind wirklich relevant? Und was sollten Unternehmen jetzt tun?

Inhaltsverzeichnis
Was ist der Digitale Produktpass?
Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein strukturierter Datensatz, der alle relevanten Informationen zu einem Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus enthält, von der Materialzusammensetzung über CO₂-Fußabdruck bis zur Reparierbarkeit. Die Rechtsgrundlage bildet die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR, Verordnung 2024/1781), die den DPP für zahlreiche Produktgruppen verpflichtend macht.
Die Umsetzung erfolgt schrittweise: Batterien (ab 2027), Textilien und Elektronik folgen in den Jahren danach. Für Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt mit dem Aufbau der nötigen Datenbasis beginnt, ist deutlich besser vorbereitet.
Erkenntnisse aus dem Climate Lab Wien
Das Climate Lab Wien brachte Expert:innen aus PACE-DPP und PASSAT zusammen, zwei österreichische Forschungsprojekte, die sich intensiv mit der DPP-Implementierung befassen. Zentrale Erkenntnisse aus den Diskussionen:
Die Datenverfügbarkeit ist das Kernproblem, nicht die Technologie. Viele Unternehmen haben die nötigen Daten bereits, sie sind nur nicht strukturiert. Der erste Schritt ist immer der Datenaudit, nicht die Technologieentscheidung.
Granularität muss dem Use Case entsprechen: Ein DPP für einen E-Bike-Händler braucht andere Daten als ein DPP für einen Materialhersteller. Die Standards (IDTA, GS1) bieten Rahmen, aber keine starre Vorschrift.
Technische Standards: RFID, QR, NFC im Vergleich
Drei Identifikatortechnologien wurden im Climate Lab ausführlich diskutiert:
QR-Code ist der am weitesten verbreitete Standard, kostengünstig, einfach zu implementieren, universell lesbar. Für die meisten KMU der empfohlene Einstieg.
NFC (Near Field Communication) bietet mehr Sicherheit und ermöglicht Datenaktualisierungen ohne Codewechsel. Sinnvoll für hochwertige Produkte mit langer Lebensdauer.
RFID (Radio Frequency Identification) eignet sich für Massenprozesse (Lager, Logistik), ist aber aufwändiger in der Implementierung.
Die Empfehlung aus dem Climate Lab: Mit QR-Code starten, NFC evaluieren wenn Sicherheit oder Updatefähigkeit relevant werden.
Das wichtigste Learning: Start small, keep it simple
Das überzeugendste Statement des Tages kam von einem PACE-DPP-Forschenden: 'Der perfekte DPP ist der Feind des guten DPP.' Unternehmen, die auf den finalen Standard warten, werden nie starten.
Der pragmatische Ansatz: Mit dem beginnen, was vorhanden ist. Materialzusammensetzung und CO₂-Daten sind für die meisten Unternehmen der beste Einstieg, sie sind oft schon vorhanden, müssen nur strukturiert werden. Der DPP kann dann schrittweise erweitert werden.
Sustainista empfiehlt einen strukturierten Daten-Audit als ersten Schritt: Welche Daten gibt es? Wo liegen sie? Was fehlt? Erst dann folgt die technische Entscheidung.
Nächste Schritte für Unternehmen
Für Unternehmen, die jetzt handeln wollen, empfehlen wir drei konkrete Schritte:
1. Daten-Audit: Bestehende Produktdaten inventarisieren, Materialzusammensetzung, CO₂-Daten, Lieferanteninformationen.
2. Pilotprodukt wählen: Mit einem Produkt oder einer Produktgruppe starten, nicht mit dem gesamten Portfolio.
3. Technologie nach Bedarf: QR-Code als Einstieg, dann je nach Use Case erweitern.
Förderung beachten: DPP-Projekte können im Rahmen von KMU-Digitalisierungsförderungen gefördert werden. Wir prüfen die Förderfähigkeit kostenlos.
Fazit
Der Digitale Produktpass ist keine ferne Pflicht mehr, er ist eine realistische Anforderung, auf die Unternehmen sich jetzt vorbereiten sollten. Das Climate Lab hat gezeigt: Die Technologie ist da, die Standards kommen, und der pragmatische Einstieg ist möglich.
Sustainista begleitet Unternehmen von der Datenerfassung bis zur DPP-Implementierung. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht und was der sinnvolle nächste Schritt ist, sprechen Sie uns an.
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